Es ist wieder Sonntagabend im Zentrum Stuttgarts, nein, immer noch kein Tatort, und trotzdem geht es bitterbös zur Sache.

Es startet Daniel Helfrich, der erst mal das Publikum auffordert, sich zu trauen, egal was andere denken, das Leben ist doch fantastisch, wir leben doch nur einmal. Das Publikum macht mit, meldet sich, wenn gefragt wird, wer schon mal kifft, wer schon mal so ein bisschen Steuern hinterzieht, wer schon mal ein bisschen betrunken Auto fährt, nur zu ein bisschen Onanie wollen sich nicht allzu viele bekennen. Helfrich, souverän am Flügel, macht seine Geschichten zu Chansons, erzählt uns von seinem Heimatort Scharbach im Odenwald, vom großen Heimatdichter Gustaf Wilhelm Scharbach, der genial die Odenwälder Kühe bedichtete. Er macht uns Angst mit seinen Alltagsbeobachtungen, die nur einen logischen Schluss zulassen: heute muss Tag der offenen Tür in der geschlossenen Abteilung sein. Und was macht ein Poet, wenn gerade eine Liebesbeziehung in die Brüche gegangen ist? Er schreibt ein Lied! Doch Helfrichs Liebe war keine gewöhnliche Liebe, sie galt der Bionade und somit ist die Enttäuschung ungleich schmerzhafter. Doch er tröstet sich, kehrt wehmütig zu seiner alten Schlampe zurück, die ist dreckig und besorgt es ihm richtig, die Coca-Cola. Der Ohrwurm auf dem Bohrturm geht über in ein wunderbares Potpourri, das den Künstler mit einem tosenden Applaus in die Pause entlässt.

Die zweite Halbzeit bestreitet Götz Frittrang, er kommt vom Bodensee, aber seine Wahlheimat ist Oldenburg, wobei Wahl? Er fühlt sich als Heimatvertriebener und rät dringendst von Oldenburg ab, ob er sich die Nummer auch in Norddeutschland erlaubt? Wer in Oldenburg Kartoffeln möchte, hat exakt zwanzig Minuten Zeit, die Kartoffeln auszugraben, zu waschen, zuzubereiten und zu essen. Ansonsten passiert Grässliches, das feuchte Klima lässt einen Pelz wachsen… Aber es gibt auch Trost in dieser trostlosen Welt, Klaus Hipp bürgt mit seinem Namen dafür. Alles ist gut, Frittrang schaut sich diese Werbung regelmäßig drei, viermal hintereinander an und alle Ängste sind verflogen, Krise hin oder her. Trotzdem, die besorgten Mütter kann nichts beruhigen. Frittrang hat erfahren, dass selbst Ratzingers Mutter noch besorgt ist, ihr Sohn hat eben doch nur einen Stellvertreterjob. Aber was soll erst Obamas Mutter sagen, demnächst braucht ihr Sohn einen neuen Job und wer gibt denn einem Schwarzen einen Job? Dringend gewarnt seien hier alle Zeugen Jehovas, klingeln Sie um Himmels Willen nicht an Frittrangs Tür. Er hat sich ein böses Repertoire zurechtgelegt, um Sie zu empfangen, Sie werden nicht zu Wort kommen. Und dann bekommen auch noch alle Katzenfreunde ihr Fett weg, er lässt kein gutes Haar an den Tieren, fast können sie einem leidtun, oder zumindest die Katzenbesitzer. Das findet aber das Stuttgarter Publikum gar nicht, die Nummer begeistert.

Beide Kabarettisten überzeugen, Daniel Helfrich ganz besonders mit seinen musikalischen Fähigkeiten und Götz Frittrang mit seinem schwarzen Humor. Das Publikum entscheidet sich an diesem Abend für den schwarzen Humor und so gewinnt Götz Frittrang.

(Peter Schmidt)


KBL-Fotograf Jürgen Hartlieb hat den Abend für euch in Bildern festgehalten …