
Sarah Hakenberg
„Sarah Hakenberg ist einer der kraftvollsten und beeindruckendsten neuen Sterne am Vorlesehimmel.“
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Steckbrief
Name: Hakenberg, Vorname: Sarah Geboren am: 21.11.1978, Land: früher Deutschland, jetzt Frankreich, Stadt: Über Köln, München und Berlin nach Strasbourg, Größe: 1, 62, Gewicht: 120 Kilo, leicht schwankend, Anzahl der Bühnenjahre: 25
Programm
„Knut, Heinz, Schorsch und die anderen“
Presse
„Sarah Hakenberg ist einer der kraftvollsten und beeindruckendsten neuen Sterne am Vorlesehimmel.“
Horst Evers, Sommer 2008
„Sie ist frech und pointiert, manchmal auch deftig, aber immer voller Witz, dazu virtuos in Stimmbeherrschung und Gestik, mitreißend in der Mimik und rasant im Wechsel von Rede und Antwort. Man wird von ihr hören!”
Lübeckische Blätter, 01.06.2008
„Die Naivität, die Sarah Hakenberg bei ihrem Aufritt an den Tag legt, ist eher Tarnung. Absolut direkt dagegen der Sexappeal ihrer Geschichten. Eine tödliche Kombination. Jede Kurzgeschichte aufs Neue.”
Süddeutsche Zeitung, 19.01.2008
Spielposition
Textauszug aus „Knut“
Meine Freundin Heike hat lange Beine, blonde Wallehaare, einen Riesenbusen und ein hässliches Gesicht. Hätte sie ihr hässliches Gesicht nicht, wäre sie nicht meine Freundin geworden, denn dann hätte sie mir alle Männer weggeschnappt. Dachte ich zumindest. Denn schnell bemerkte ich, dass den meisten Männern lange Beine, blonde Wallehaare und Riesenbusen vollkommen ausreichten. Heikes Freund hieß Heiko und hatte ebenfalls lange Beine, blonde Wallehaare und ein hässliches Gesicht, so dass ihn eigentlich nur der fehlende Riesenbusen von Heike unterschied. […] „Warte hier auf mich“ sagte Knut und verschwand in seinem Zimmer. Seelisch bereitete ich mich schon einmal auf alles vor: Handschellen Fesseln, Videokameras, Riesen-Gummi-Penisse zum Umbinden, Tierkostüme. Ich war diesmal fest entschlossen, alles mitzumachen und dabei keinen Lachkrampf zu bekommen.
Textauszug aus „Heinz“
Wer sucht denn heute noch nach Liebe? Auf der Hitliste von Google steht sie auf Platz 108, weit hinter Einweggeschirr und Hobbynutte. Ich suche auch nicht mehr. Was ist das denn schon, Liebe? Ringelchen100 meint sie gefunden zu haben, sie schreibt im Internet in ihrem Blog: „Liebe ist eine Rosenblüte, deren gebärender Strauch stechen kann.“ Was man über die Liebe im Netz findet, ist derart dämlich, dass man beim Lesen anfängt, mit den Augen zu stottern. Die Realität sieht anders aus. Bei Verliebten fällt der Spiegel der Botenstoffs Serotonin auf ein Niveau, dass sich sonst nur bei Menschen findet, die unter Zwangsneurosen leiden. Hummer, die ineinander verliebt sind, urinieren sich gegenseitig ins Gesicht. Das ist Liebe!
Stationen
1978 fing alles an, und das ausgerechnet in Köln. Zweieinhalb Jahre später zieht mich meine Familie nach Zorneding, ein kleiner Vorort von München.
1981 lerne ich, dass ich in Tische beißen und Zeitungen zerreißen muss, wenn ich etwas erreichen will.
1985 werde ich als Strafe für mein Schreien im Keller eingesperrt. Meine Eltern haben kein Glück: Ich schreie weiter.
1987 spiele ich das erste Mal die Hauptrolle “Maria” im Krippenspiel der evangelischen Kirche. Ein grandioser Erfolg! Kurzerhand beschließe ich: Ich werde Schauspielerin!
1991 bin ich Klassenbeste in Musik und Klassenschlechteste in Latein. Kurz überlege ich, doch lieber Pianistin zu werden.
1999 ist die Schule endlich vorbei. In den nächsten zwei Jahren spreche ich an zehn staatlichen Schauspielschulen vor, um meinen Kindheitstraum zu verwirklichen und Schauspielerin zu werden.
2001 hat mich keine der zehn staatlichen Schauspielschulen aufgenommen. Ich beiße in einen Tisch und zerreiße eine Zeitung – es nützt nichts.
2002 stelle ich fest, dass mir Theaterwissenschaft und Philosophie eindeutig mehr Spaß machen als der private Schauspielunterricht und beschließe kurzerhand: Ich werde Dramaturgin!
2003 gebe ich vor, ein Jahr lang in Dijon zu studieren, reise aber in Wirklichkeit durch ganz Frankreich, schreibe Kurzgeschichten und beschließe kurzerhand: Ich werde Schriftstellerin!
2004 lese ich das erste Mal auf einem Münchner Poetry Slam und schreibe weitere lustige Kurzgeschichten. Eingelullt von Brecht, Schopenhauer und Derrida beschließe ich kurzerhand: Ich mache meinen Doktor und werde Dozentin!
2005 schließe ich mein Studium ab und ziehe – endlich – ins verruchte Berlin. Sechs Wochen lang mache ich einen Ausflug in das Jahr 1927 (ARD-Serie “Sommerfrische – Leben im Gutshaus” ), dann beschließe ich endgültig: Ich werde literarische Kabarettistin!
2006 stelle ich fest, dass mein Leben nicht sehr geradlinig verläuft. Außerdem gründe ich Schreibwerkstätten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Berlin.
2007 gewinne ich mit meinem “Literarischen Kabarett” ein paar Preise. Zum Glück merken weder Jury noch Publikum, dass mein Programm nur sehr rudimentär mit “Kabarett” zusammenhängt.
2008 ziehe ich ins unverruchte Strasbourg und trete zum ersten Mal mit meinen Geschichten im Fernsehen auf. Außerdem heirate ich! Nein nein, war nur Spaß.
2009 wird ein schönes Jahr! Behaupte ich mal so.
Kurzbiografie
Sarah wollte Schauspielerin werden. Gleich vier Jahre hintereinander reüssierte sie mit der Hauptrolle „Maria“ im Krippenspiel und wurde so zum Star der Zornedinger Kirchengemeinde. Bis heute bleibt ungeklärt, weshalb sie keine der zehn staatlichen Schauspielschulen, an denen sie vorsprach, aufnehmen wollte. Um sich von ihrem Misserfolg abzulenken, schrieb sie während ihres Theaterwissenschafts-Studiums lustige Geschichten, die sie vor dem Münchner Publikum vortrug. Das Publikum lachte sich schlapp. Na, dachte sie, dann werde ich eben Schriftstellerin und zog voller Enthusiasmus ins verruchte Berlin. „Schriftstellerin ist nicht gut“, meinte jedoch Kollegin Martina Schwarzmann. „Werde lieber Kabarettistin, dann kannst du auch Geld damit verdienen!“ „Aber Geschichten vorlesen ist doch kein Kabarett“, wandte sie ein. „Ist doch egal“, sagte Martina und zuckte mir den Schultern. Und so wurde Sarah literarische Kabarettistin, angelte sich ein paar Preise und einen Franzosen, mit dem sie nun glücklich und ganz unverrucht in Strasbourg lebt.